Pfadfinden: jung und international

Chrissy Pollithy ist 29 Jahre alt, lebt in Berlin und ist die deutsche Kandidatin für den Weltvorstand im Weltpfadfinder*innenverband WOSM für die Wahlperiode 2021 bis 2024. Seit 20 Jahren ist sie Pfadfinderin mit besonderer Leidenschaft für die Wölflingsstufe und das Internationale. Beruflich arbeitet sie als Organisationsentwicklerin in einer Kommunikationsagentur.
Chrissy, du bist Kandidatin für das World Scout Committee. Aber was bedeutet das eigentlich?
So wie jeder Stamm und jede Diözese eine Leitung hat, gibt es auch einen Vorstand für die Weltorganisation der Pfadfinder*innenbewegung, also für alle 171 Länder und Territorien, in denen Pfadfinden stattfindet. Dieser Vorstand heißt World Scout Committee und besteht aus zwölf gewählten, ehrenamtlichen Menschen aus der ganzen Welt. Um einen dieser zwölf Plätze bewerbe ich mich im Namen aller deutschen Pfadfinder*innen. Die Wahl findet dann im August 2021 statt.
Wie bist du dazu gekommen, dich für einen der Plätze zu bewerben?
Ich bin seit meiner Kindheit begeisterte Pfadfinderin. In einem der fünf deutschen Pfadfinder*innenverbände, dem BdP, habe ich mich erst in meinem Stamm, dann im Landesverband Bayern und später auf Bundesebene als internationale Beauftragte engagiert. Pfadfinden hat mich sehr geprägt und ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf der ganzen Welt noch mehr jungen Menschen diese Erfahrung ermöglichen können.
Wie können wir uns die Arbeit des World Scout Committees vorstellen?
Ein Weltvorstand kümmert sich hauptsächlich um zwei Dinge: um heute und um morgen. Wie können wir es als globale Bewegung heute schaffen, jungen Menschen bei den Pfadis Raum zum Ausprobieren, Erleben und Wachsen zu geben? Wie kann ein internationaler Dachverband die nationalen Verbände – wie die DPSG oder den BdP – bestmöglich mit Wissen, Ressourcen und Inspiration dabei unterstützen? Denn gute Jugendarbeit ist seit 114 Jahren Herz der Pfadfinder*innenbewegung!
Aber unsere Welt und damit die Lebenswelt junger Menschen verändert sich, zum Beispiel durch die Globalisierung, die Digitalisierung oder die Klimakrise. Welche Jugendarbeit wollen wir morgen und in 30 oder 40 Jahren machen – zwischen Tradition, Weiterentwicklung und verschiedenen Pfadi-Kulturen? Und welche Weichen müssen wir dafür heute schon stellen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich das World Scout Committee nicht nur in der Theorie bei Sitzungen, sondern auch ganz praktisch im Austausch mit Nationalverbänden und bei Veranstaltungen wie dem World Scout Jamboree.
Du bist die erste weibliche Kandidatin aus Deutschland und dann auch noch unter 30. Trägt das zu einer diverseren Weltbewegung bei?
Für uns Pfadis in Deutschland ist der Gedanke oft absurd, dass eine Jugendbewegung nicht maßgeblich von jungen Leuten gestaltet wird. Aber es stimmt: In der Vergangenheit haben die entscheidenden Schaltstellen der Weltpfadfinder*innenbewegung nicht die Diversität unserer Organisation reflektiert.
Das World Scout Committee ist aber ein Ort, an dem Entscheidungen getroffen werden, die einen positiven Beitrag für ganze Generationen junger Menschen leisten können. Und junge Menschen, Frauen, queere Menschen und viele andere Perspektiven brauchen dafür einen Platz am Tisch, wenn wir das richtig, nachhaltig und effektiv tun wollen.
Seit einigen Jahren gibt es einen Sinneswandel, dass wir genau diesen Perspektiven in der Weltpfadfinder*innenbewegung Raum geben müssen. Ich mag den Gedanken, dass meine Kandidatur dieses Mindset verstärkt.
Was sind deine größten Wünsche und Ziele, die du im World Scout Committee umsetzen möchtest?
Ich möchte mich für eine relevante, inklusive und meinungsstarke Weltpfadfinder*innenbewegung einsetzen. Um ein paar Beispiele zu nennen: mehr jungen Menschen den Zugang zu so tollen Veranstaltungen wie dem World Scout Jamboree ermöglichen, unsere geballte Power in der internationalen Jugendpolitik für eine gerechtere Welt einbringen, unsere Kommunikation und Vision zukunftssicher machen und Nationalverbände in der Entwicklung ihrer Programme und Strukturen unterstützen.