Pfadfinder in Bolivien

Die Asociación de Scouts de Bolivia (ASB)

Die ASB ist der einzige bolivianische Pfadfinderverband, mit rund 10.000 Mitgliedern im ganzen Land. Organisatorisch ist die ASB, so wie das Land, in neun Distrikte eingeteilt. Zur Zeit gibt es allerdings nur in sieben Distrikten aktive Pfadfinderarbeit: La Paz, Cochabamba, Santa Cruz, Chuquisaca, Tarija, Potosi und Oruro. Die kleinste Einheit innerhalb der ASB sind die Stämme, in denen Pfadfinderarbeit stattfindet.

In allen Ebenen der ASB ist eine Person (Frau oder Mann) als Referent durch eine Versammlung oder „Asamblea“ gewählt. Diese Person übernimmt, zusammen mit einem gewählten Rat oder „Consejo“, die Leitung des Verbands, Distrikts oder Stamms für eine Amtszeit von zwei Jahren. Die Zusammensetzung des Consejos unterscheidet sich von Bundes- zu Distriktsebene, aber einige Bereiche sind auf beiden Ebenen zu finden. Es gibt einen Stufenreferenten pro Stufe, einen Programmreferent, einen Ausbildungsreferent, einen Referent für die Verwaltung und einen für Entwicklung.

Die Stufen

Die Pfadfinder in Bolivien sind wie in der DPSG in vier Stufen eingeteilt. Die Wölflinge sind die „Lobatos“ und sind mit zwischen acht und zehn Jahren die jüngsten Mitglieder des Stamms. Die Farbe der Stufe ist gelb und die Gruppe wird „Manada“ oder Herde genannt. Zwischen 11 und 15 Jahren gibt es die Scouts, früher Exploradores genannt. Die Farbe ist wie in der DPSG auch blau und die Trupps werden oft in feste Kleingruppen aufgeteilt. Jede von diesen Kleingruppen hat einen Tiernamen. Die Pfadis oder Pioneros sind zwischen 15 und 17 Jahre alt. Die Farbe ist rot und die Trupps werden genauso wie bei der Scoutstufe in Kleingruppen aufgeteilt. Bei der Namensfindung haben sie aber freie Wahl. Die Rover haben die gleiche Bezeichnung wie in der DPSG. Ihre Farbe ist grün und die Mitglieder sind 18 Jahre und älter. Jeder Rover führt sein eigenes Lebensprojekt während seiner Zeit in der Stufe durch. Auf eigenen Wunsch sind manche auch gleichzeitig als Leiter aktiv.

Die Stämme

Alle Stufen zusammen bilden einen Stamm oder eine „Grupo“. Diese Grupos sind in vielen Fällen durch eine Schule gesponsort. Das heißt, jeder Stamm übernimmt den Namen der Schule, an der er angesiedelt ist und darf auch die Infrastruktur der Schule am Samstag benutzen. Diese Beziehung zwischen Schule und Stamm wird unterschiedlich gestaltet und kann sich auch von Jahr zu Jahr ändern. Die Leiter des Stammes sind entweder ehemalige Mitglieder des Stamms oder auch ehemalige Schüler der Schule.

Jeder Stamm hat seinen eigenen Spruch und sein eigenes Halstuch. Einige haben sogar ein neues Halstuch für jedes Jahr. So kann jeder Stamm seine eigene Identität mit seinen eigenen Ritualen und Zeichen bewahren und diese durch das Halstuch auch nach außen zeigen.

In der ASB treffen sich fast alle Pfadfinder jeden Samstag für die Gruppenstunden. In jeder Stadt sieht man samstags Pfadfinder, die in Kluft und Halstuch durch die Stadt laufen zu ihren Gruppenstunden. Die Gruppenstunden dauern zwischen drei und vier Stunden. Am Anfang und am Ende trifft sich der ganze Stamm für eine Begrüßung, manchmal um die bolivianische Fahne oder um das Pfadfinderbanner herum oder auch einfach um mit dem ganzen Stamm gemeinsam zu spielen. Das kann von Stamm zu Stamm oder von Distrikt zu Distrikt unterschiedlich sein. Die eigentliche Gruppenstunde wird dann in der Stufe durchgeführt.

45 Jahre Partnerschaft

Die Partnerschaft zwischen der ASB und der DPSG besteht schon seit über 45 Jahren. Grundsätzlich besteht die Partnerschaft auf der Bundesebene. Mit der Zeit hat sich die Partnerschaft aber auch auf Distrikts- und Diözesanebene verbreitet, und es gibt sogar eine Bezirks- und einige Stammespartnerschaften.

Typische Aktivitäten der Partnerschaften sind sind Begegnungsreisen in Deutschland und Bolivien, Workcamps und Entwicklungsprojekte für Kinder und Jugendliche. Außerdem wurden schon drei gemeinsame Jahresaktionen durchgeführt. Die Partnerschaft lebt vor allem durch den persönlichen Kontakt zwischen den Mitgliedern. Freundschaften sind entstanden und nur durch diese wurde es möglich, die Partnerschaft über Jahre auf einem hohen Niveau zu halten.

Diese Partnerschaft ermöglicht nicht nur Begegnungsreisen im touristischen Sinn, sondern bietet auch eine gute Gelegenheit als Pfadfinder von unseren Partnern zu lernen, wie sie leben, was sie essen, was ihnen wichtig ist... So soll diese vierte gemeinsame Jahresaktion nicht nur ein Symbol für die Partnerschaft sein, sondern auch ein Symbol dafür, dass wir Grenzen überwinden können und dass Kinder in Deutschland genauso wie in Bolivien die gleichen Rechte haben, denn dafür stehen wir als Pfadfinder.